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Angststörung?

Angst: Angststörungen

Wenn Ängste besonders ausgeprägt sind und über längere Zeit anhalten, können sie Anzeichen für eine Angststörung sein. Das gilt vor allem, wenn die Furcht den Alltag deutlich belastet

Lähmende Gefühle: Aus Angst vor der nächsten Panikattacke wagen sich manche nicht mehr aus dem Haus

Krankhafte Ängste beherrschen das Gefühlsleben und den Alltag der Betroffenen. Sie stehen in keinem Verhältnis mehr zu der Situation, in der sie auftreten, und sind über die Maßen heftig oder anhaltend. Sie sind mit körperlichen und häufig weiteren seelischen Symptomen verbunden. Sehr oft entsteht ein Teufelskreis der Angst: Aus Angst vor der Angst schränken die Betroffenen ihr Alltagsleben extrem ein, ziehen sich mitunter ganz in ihre schützenden vier Wände zurück.

Dauerhaft vorhandene Angstgefühle oder Panikanfälle können Ausdruck einer eigenständigen Angsterkrankung oder auch Symptom einer Depression, einer Psychose oder einer anderen psychischen Erkrankung sein. Zwischen Ängsten und Depressionen besteht eine enge Wechselbeziehung.

Bei Angststörungen ist das Angstzentrum im Gehirn überaktiv. Verantwortlich dafür ist das Zusammenwirken mehrerer Faktoren, die in familiärer Veranlagung, frühkindlichen Erfahrungen, traumatischen Erlebnissen, Persönlichkeitsstörungen sowie Ungleichgewichten bei bestimmten Nervenbotenstoffen im Gehirn bestehen können.

Zu den wichtigsten Angststörungen beziehungsweise Angsterkrankungen (Mediziner verwenden beide Begriffe abwechselnd für diese am häufigsten vorkommende psychische Erkrankung) zählen Phobien mit und ohne Panik, Panikstörungen und die generalisierte Angststörung.

Phobien

Das sind Ängste vor etwas, sei es vor Räumen, Situationen, Menschen, Tieren, Gegenständen. Psychoanalytiker sehen hierin unter anderem eine unbewusste Verlagerung von tief sitzenden Ängsten auf eigentlich harmlose Objekte oder Begegnungen. Die ursprünglichen Angstauslöser kann sich der Betroffene aus unterschiedlichen Gründen nicht eingestehen, er ist sich ihrer auch gar nicht bewusst. Trennungsängste und andere Erfahrungen in der Kindheit sowie entsprechende Veranlagungen spielen ebenfalls eine Rolle. Phobien gehen häufig mit Panikstörungen und Vermeidungsverhalten einher. Sie können aber auch durch anhaltende Angstgefühle, zum Beispiel vor dem Umgang mit anderen Menschen (siehe soziale Phobie), gekennzeichnet sein.

 Agoraphobie (Platzangst)
Angstauslöser sind bestimmte Orte oder räumliche Situationen wie große, offene Plätze, Menschenansammlungen, U-Bahnen, Kinosäle, Supermärkte sowie weite oder allein unternommene Reisen. Die Betroffenen geraten in Panik, weil sie sich verloren oder ausgeliefert fühlen und sich nicht sofort wieder an einen schützenden Ort, wie etwa in ihre Wohnung, begeben können. Diese ortsgebundene Furcht hindert manche daran, überhaupt aus dem Haus zu gehen, da sie Angst vor der wieder einsetzenden Angst haben. Nicht selten entwickeln sie im weiteren Verlauf zusätzlich Depressionen und Suchterkrankungen.

Eine gesonderte Form der Platzangst ist die Klaustrophobie. Hier bezieht die Furcht sich auf enge, kleine Räume wie Aufzüge, Umkleidekabinen, Flugzeuge, überfüllte Züge. Mediziner reihen sie auch als spezifische Phobie ein.

Symptome: In den angstbesetzten Situationen treten starke Unsicherheits- und Beklemmungsgefühle auf. Die innere Unruhe kann sich bis ins Unerträgliche steigern. Der Drang, sofort den Ort verlassen zu müssen ist groß. Mitunter löst schon der Gedanke an eine betreffende Räumlichkeit intensive Angstgefühle aus. Die Ängste äußern sich häufig auch in plötzlich einsetzenden Panikattacken mit heftigen körperlichen Symptomen wie Zittern, Herzrasen, Schwindel, Übelkeit, Schweißausbrüche, Brustenge und Atembeschwerden. Im Extremfall hyperventilieren die Betroffenen, atmen übersteigert und können sogar in Ohnmacht fallen. Die starken körperlichen Beschwerden schüren die zusätzliche Angst, an einer lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden. Die Angstanfälle können mehrere Minuten bis Stunden dauern. Die Beschwerden gehen aber nach dem Höhepunkt der Attacke zurück.

Spezifische Phobien
Die Verursacher für diese Ängste, die sich ebenfalls in innerer Unruhe, Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken äußern, sind ganz bestimmte Objekte oder Situationen. Die Reaktionen beziehen sich begrenzt nur auf Spinnen, Hunde, nicht bestehende, aber befürchtete Krankheiten (Hypochondrie), Prüfungen, Flugreisen, enge Räume, Spritzen und vieles mehr. Die Furcht davor kann sich so steigern, dass die Betroffenen, etwa beim Anblick von Spritzen, in Ohnmacht fallen, und das Alltagsleben erheblich beeinträchtigt wird.

Soziale Phobie
Die Ängste beziehen sich auf den Umgang mit anderen Menschen, meist in bestimmten Situationen wie etwa Auftritte vor größeren Menschengruppen, Begegnungen mit unbekannten oder weniger vertrauten Menschen, Essen in Gesellschaft. Im Vordergrund steht die Furcht, zu versagen, sich öffentlich zu blamieren und in seinen Schwächen erkannt zu werden. Das Vermeidungsverhalten ist ausgeprägt und kann zu sozialer Isolation mit weiteren psychischen Krankheitsbildern wie Depressionen führen. Auch ist die Gefahr groß, in eine Abhängigkeit zu rutschen, da die Betroffenen versuchen, ihre Ängste mit Alkohol und Medikamenten zu bekämpfen.

Symptome: Nicht nur die angstbesetzte Situation selbst, sondern oft schon der Gedanke an eine bevorstehende Begegnung oder ein Ereignis kann innere Unruhe und Angespanntheit auslösen, die sich bis zur Panik mit körperlichen Beschwerden steigern können. Zu diesen gehören Schwitzen, Erröten, Zittern, Übelkeit, starkes Herzklopfen und Harndrang. Die Gedanken kreisen oft unablässig um das eigene mögliche Versagen. Kritik oder nur Ratschläge von anderen verstärken das Gefühl der eigenen Unzulässigkeit nur.


Panikstörungen

Die Betroffenen erleben die Angst überfallartig, meist ohne dass es dafür einen für sie erkennbaren Anlass gäbe. Die Panikattacken führen zu einer ausgeprägten Angst vor dem nächsten, nicht kontrollierbaren Angstanfall. Panikanfälle können auch infolge einer überstandenen Erkrankung, etwa nach einem Herzinfarkt, auftreten. Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus sich gegenseitig verstärkenden Ängsten. Panikstörungen sind häufig mit Phobien, insbesondere mit einer Agoraphobie (siehe oben) verbunden.

Symptome: Die plötzlich auftretenden Attacken sind heftig und mit intensiven körperlichen Symptomen verbunden. Dazu gehören Beklemmungsgefühle, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Atemnot, Schwitzen, Zittern, Ohnmachtsgefühle. Das Angstgefühl kann sich bis zu Todesangst steigern. Häufig fürchten die Betroffenen, einen Herzinfarkt zu erleiden. Eine Attacke dauert wenige Minuten bis einige Stunden.


Generalisierte Angststörung

Hier bestimmen Angst und Sorge dauerhaft das Denken und das Lebensgefühl der Betroffenen. Die Befürchtungen beziehen sich nicht auf eine bestimmte Situation, sondern auf viele Bereiche. Die Betroffenen sorgen sich ständig um etwas, um ihre Angehörigen, um ihren Gesundheitszustand, ihre Arbeitsleistung, um bevorstehende Unternehmungen. Die Angst wird oft auch nicht bewusst als Sorge erlebt, sondern als dauerhaft vorhandener Gemütszustand. Schlafstörungen, Bluthochdruck, Verdauungsbeschwerden und andere Regulationsstörungen können die Folge der seelischen Übererregung sein. Depressionen, die umgekehrt auch zu den Ursachen gehören, oder Zwangsstörungen kommen nicht selten hinzu (siehe auch Kapitel "Weitere psychische Ursachen"). Mediziner sprechen von einer generalisierten Angststörung, früher auch Angstneurose, wenn die typischen Symptome mindestens ein halbes Jahr lang anhalten und an den meisten Tagen vorhanden sind.



Symptome: Andauernde, innere Unruhe, nervöse Anspannung, ständiges Grübeln über mögliche Gefahren und Unglücksfälle sind kennzeichnend. Die Sorgen nehmen überhand und lassen sich nicht mehr kontrollieren. Daraus entstehen häufig Kontrollzwänge. Dazu kommen Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, erhöhte Reizbarkeit, Muskelverspannung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen.

Posttraumatische Belastungsstörung

Besonders belastende Erlebnisse können eine Angsterkrankung nach sich ziehen, die sich in Albträumen, ständiger innerer Unruhe und Anspannung, Schlafstörungen, Reizbarkeit und übersensibler Gefühlslage äußern. Die Ängste zeigen sich eher verdeckt oder häufig in unklaren körperlichen Beschwerden. Alles, was die Erinnerung an das traumatische Ereignis wachrufen könnte, wird gemieden oder verdrängt. Depressionen und Suchterkrankungen kommen häufig dazu.

Herzangstsyndrom, funktionelle Herzbeschwerden

Dieses Krankheitsbild, auch Herzphobie oder Herzneurose genannt, verursacht Schmerzen im Brustbereich, die bis in die Arme ausstrahlen können und immer wieder, auch ohne körperliche Anstrengung, auftreten. Manche Betroffene erleiden regelrechte „Herzanfälle“, Panikattacken mit Herzrasen, Schweißausbrüchen, Zittern, Ohnmachtsgefühlen. Sie sind überzeugt, an einer Herzerkrankung zu leiden und beschäftigen sich unablässig damit. Mitunter können auch unauffällige körperliche Befunde der ärztlichen Untersuchungen sie nicht überzeugen. Hinter den Beschwerden verbirgt sich eine ausgeprägte Angststörung.

Diagnose von Angststörungen

Häufig wenden sich die Betroffenen wegen der körperlichen Beschwerden oder der Schlafstörung an den Arzt. Dieser wird seinen Patienten zunächst genau befragen und eingehend körperlich untersuchen. Wichtig für den Arzt ist auch zu wissen, ob bestimmte Medikamente beziehungsweise Alkohol oder Drogen eine Rolle spielen könnten.

Liegen keine körperlichen Störungen vor, die zu den geschilderten Symptomen führen können, ist es dann Aufgabe eines Psychiaters und Psychotherapeuten, anhand systematischer Befragungen und Tests das Krankheitsbild und seinen Schweregrad zu diagnostizieren. Er wird auch anderen, möglicherweise vorhandenen psychischen Erkrankungen nachgehen oder diese ausschließen.


Therapie von Angststörungen

Als wirkungsvoll in der Behandlung vieler Angststörungen, vor allem von Phobien und Panikstörungen, hat sich die Verhaltenstherapie mit speziellen Programmen erwiesen. Die kognitive Verhaltenstherapie hilft den Betroffenen, eingefahrene Verhaltensmuster, Gedanken und Gefühle sowie die damit verbundenen Ängste, zu erkennen und durch gezielte Übungen zu verändern. In der systematischen Desensibilisierung konfrontiert der Therapeut seinen Patienten schrittweise mit der Situation, die seine Phobie auslöst, damit er lernt, sie allmählich zu überwinden. Das kann auch durch weitere Verfahren, etwa Gewöhnungsstrategien oder Angstreizüberflutung, geschehen.

Wichtig: So früh wie möglich den Weg zum Therapeuten finden, damit sich einengende Gedanken und Reaktionsmuster nicht „heillos“ verfestigen.

Je nach Schweregrad und Form der Angsterkrankung kann auch eine psychoanalytische Therapie sinnvoll sein, etwa bei einer generalisierten Angststörung. Hier werden tiefer liegende seelische Probleme, die den Ängsten zugrunde liegen, aufgedeckt und therapeutisch bearbeitet.

Entspannungstherapien begleiten die unterschiedlichen Verfahren und können auch direkt in einer Panikattacke hilfreich sein. Eine gesunde Lebensführung mit viel körperlicher Bewegung trägt darüber hinaus dazu bei, sich wieder stabiler zu fühlen.

Neben der Psychotherapie können bei schwereren Krankheitsbildern auch Medikamente zum Einsatz kommen, hier in erster Linie Antidepressiva. Angstlösende Medikamente wie Benzodiazepine setzen die Ärzte bei schweren Panikstörungen wegen der Abhängigkeitsgefahr nur kurzfristig und nur im Akutfall ein. Wirksam in der Behandlung von generalisierten Angststörungen sind mitunter auch chemisch anders zusammengesetzte Präparate wie das angstlösende Buspiron, das nicht abhängig macht, allerdings häufig Nebenwirkungen verursacht, oder Pregabalin, ein Mittel gegen Epilepsien.
Bei Unruhezuständen und leichteren Ängsten zeigten sich teilweise Lavendelölpräparate, die für eine Selbstmedikation zur Verfügung stehen wie Silexan, als geeignet. Sie sollten aber immer in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Mitunter hilft erst der Aufenthalt in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik, ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten aufzulösen und den geeigneten Therapieweg einzuschlagen.

Auszüge aus: http://www.apotheken-umschau.de/Angst/Angst-Angststoerungen


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